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Das hier vertretene Verständnis löst Integration von Migration und fasst sie weiter, als dies bisher geschehen ist. Integration ist ein Prozess, der die gesamte Gesellschaft erfasst und deshalb das Engagement aller erfordert. Zugleich ist sie eine Aufgabe von Dauer. Gelingen kann sie nur, wenn mit der Teilhabe auch die Pflicht einhergeht, die Solidargemeinschaft aktiv mitzutragen. Alle müssen sich darauf verlassen können, dass der Staat mit seiner Politik die Chancen der Migration so groß und die Risiken so klein wie möglich hält. Daueraufgabe meint überdies: Wo rasch Antworten nötig sind, müssen sie gefunden werden – vor allem aber gilt es, auf lange Sicht institutionelle Strukturen aufzubauen, die aufeinander und auf die künftigen Aufgaben abgestimmt sind.
Umgekehrt ist gelungene Integration eine Bedingung für den Zusammenhalt der Gesellschaft. In einer modernen, pluralen Gesellschaft gründet dieser auf Gleichheit und Zugehörigkeit, auf der Bindung an das Recht, auf zivilen Umgangsformen und auf einem Selbstbild, das sich stetig wandelt. Nötig ist nicht nur die Teilhabe an Chancen, sondern auch die aktive Teilnahme an den vielen Möglichkeiten und Aufgaben. Der Staat kann den Zusammenhalt nicht verordnen; er verlangt mehr als die bloße Einhaltung der Gesetze. Dazu zählt auch, Konflikte des Zusammenlebens konstruktiv auszutragen, die verschiedenen Positionen auszutauschen und nach Kompromissen zu suchen.